Winterzeit, Zeit für Rollenwartung ! Daiwa Millionaire 103L I'ze Light

Rollenwartung
Rollenwartung

Teaser Text für den Winterzeit Artikel

Draußen sind die Temperaturen seit Wochen im Minusbereich, die Teiche und Seen sind zugefroren und selbst an großen Flüssen wie der Elbe ist es, dank Hochwasser, nicht möglich noch fischen zu gehen. Das ist die ideale Zeit um eure lieb gewonnenen und teuren Multirollen einer Wartung zu unterziehen und ihr etwas Pflege zukommen zu lassen. Sicherlich werden sich einige von euch fragen ob das wirklich sein muss, die Rolle läuft doch noch bestens!? 
Darauf gibt es nur eine Antwort: “Ja!”, denn im Laufe der Saison sammeln sich nicht nur außen Verschmutzungen an, sondern auch im Inneren. Wie die da rein kommen? Beim Fischen wird nicht nur Wasser mit der Schnur zu Rolle transportiert, sondern auch Verschmutzungen wie z.B.. Algen und Pflanzenreste. Hinzu kommt noch ein normaler Abrieb an den mechanischen Teilen, der sich mit dem Fett verbindet und so zum Verschleiß der Bauteile beträgt. 
Aus eben diesen Gründen möchte ich eine kleine Anleitung zur Wartung eurer Multirolle geben. Als Anschauungsobjekt dient meine Daiwa Millionaire 103L I´ze Light. Als grobe Richtlinie kann diese Anleitung auch für andere Daiwa Multirollen verwendet werden, allerdings unterscheiden diese sich in der Anordnung der Bauteile und es wurden auch unterschiedliche Bauteile verbaut. Hilfe dazu findet ihr aber auf alle Fälle im Forum! Am Ende gibt es noch ein Tip für schwierige “Schraubfälle” und ein Linkliste für benötigte oder verbaute Teile. Aber nun erstmal zum eigentlichen Thema.       

Vorbereitung: Ihr braucht für die Wartung einen Platz mit hellem einfarbigen Untergrund damit die zum Teil winzigen Teile gut erkannt werden. Da meine Tischplatte schwarz ist, lege ich Küchentücher aus. Somit ist auch gleich der Tisch etwas geschützt. Zudem sollte er auch genug Platz bieten damit ihr Zugriff auf das benötigte Werkzeug, Schmierstoffe, die Explosionszeichnung und die Ersatzteilliste habt. Auf eurem Tisch sollten in etwa folgende Sachen zu finden sein:
- Satz Feinmechaniker Schraubendreher (Schlitz und Kreutzschlitz)
- Werkzeug um die Abdeckungen der Knobs zu entfernen
- eine Pinzette
- ein 10´er Maulschlüssel 
- Fett und Öl
- Wattestäbchen
- Bremsenreiniger
- verschiedene Pinsel
- kleine Spitzzange
- Tücher (entweder alte Lappen oder Küchentücher)
- Explosionszeichnung/Ersatzteilliste

   

     

 

   

 Demontage: Begonnen wird mit der Demontage des Handle´s. Dazu muss zuerst die Abdeckung über der Zentralmutter entfernt werden. Dazu vorsichtig auf der Rückseite des Handle´s die Abdeckung entriegeln. Am besten geht das mit einem kleinen Schraubendreher (etwa 0,4x2,0mm). 



Danach wird die Mutter mit einem 10´er Maulschlüssel gelöst. Achtung, bei Rollen die links gekurbelt werden (Lefty) ist das Gewinde ein Linksgewinde! Bei rechts gekurbelten Rollen (Righty) hat die Achse Rechtsgewinde. Das heißt, bei einer Lefty muss die Zentralmutter mit dem Uhrzeigersinn (nach rechts) gedreht werden, damit sie gelöst wird. Bei einer Righty muss entgegen dem Uhrzeigersinn gedreht werden.




Wenn die Mutter entfernt ist, kann das Handle abgenommen werden. 
Die demontierten Bauteile lege ich in der Reihenfolge in der ich sie ausbaue auf den Tisch.

   

 



   

Nun kann ich den Dragstar (Stern für die Kampfbremse) abschrauben. Dabei wieder dran denken, das rechts herum gedreht werden muss! 

   

 

   


 

   


Danach noch die Federscheiben, die Unterlegscheibe und das äußere Rahmenlager entnehmen.

   

 


Jetzt kann die Einstellkappe der Spulenbremse herunter gedreht werden (links herum) und Pinion Shaft herausgezogen werden.

   

 



Nun wird die rechte Seitenplatte demontiert. Dazu muss der äußere goldfarbene Ring entgegen dem Uhrzeigersinn (links herum) gedreht werden bis sich die Seitenplatte abnehmen lässt. Jetzt die Spule vorsichtig heraus ziehen. Die Schnur welche sich auf der Spule befindet fixiere ich mit einem Gummi.

   

  

   

  

   


   

 

   

Jetzt kann ich mit einem Schraubendreher (0,4x2,0mm) die beiden Schrauben lösen welche den goldenen Abdeckring der linken Seitenplatte halten. 

   

 

   

 

   

Auf der linken Seite befinden sich nun 3 Schrauben welche die linke Seitenplatte mit dem Hauptrahmen verbinden. 

   

 

   



Diese sind bei der Millionaire leider eingeklebt und die verwendeten Schrauben sind leider auch sehr weich. Ein paar Tip´s zum Lösen solcher Problemschrauben gebe ich am Ende der Anleitung.
Wenn die Schrauben der Seitenplatte gelöst sind kann sie vorsichtig abgenommen werden. 
Achtet darauf das keine Teile heraus fallen (die Federn z.B.)! 

 


 




Jetzt mache ich auf der Hauptachse (Drive Shaft) weiter und baue nacheinander die Teile der Sternbremse aus. Die Teile lege ich in der Reihenfolge wie ich sie ausbaue auf den Tisch. Sind alle Teile des Drive Shaft ausgebaut, sind das Pinion Gear, Yoke und Yoke Springs dran. Das Pinion Gear ist Teil des Getriebes. In der Bohrung der inneren Seite sitzt die Achse der Spule. Yoke und Yoke Springs sorgen für die Freigabe und das wieder einrasten der Spule ins Getriebe. 

 

 


Weiter geht’s auf der rechten Seite. Hier wird jetzt die Sicherungsscheibe des Worming Shaft´s (Antrieb Schnurführung) entfernt. Dazu benutze ich einen Schraubendreher (0,4x2,5mm), gehe damit in die Aussparung zwischen Scheibe und Achse und drücke die Sicherungsscheibe mit einer drehenden Bewegung seitlich raus. Dabei halte ich einen Finger auf die Scheibe, da sie gern weg fliegt. Die Sicherungsscheibe und die darunter liegende Unterlegscheibe lege ich auf den Tisch. 

 

 

Danach muss der Lineguide Pawl (sorgt dafür das die Schnurführung vom Worming Shaft mitgenommen wird) ausgebaut werden. Dazu die Kappe entgegen dem Uhrzeigersinn abdrehen und den Pawl raus nehmen. Da sich dort Fett und Verunreinigungen ansammeln rutscht der Pawl nicht von allein raus. Mit einer Pinzette bekommt man ihn aber gut raus.

 


 

 

Nun kann, auf der linken Seite, der Worming Shaft herausgezogen werden. Die Hülse lässt sich mit dazugehöriger Arretierung auf der rechten Seite heraus ziehen. 

 


 

 

 

 

Jetzt sind der Hauptframe und die ausgebauten Teile fertig zum reinigen. Zum reinigen benutze ich einen Pinsel und Bremsenreiniger. Den Bremsenreiniger sprühe ich vorsichtig in einen Einwegbecher oder Glas. Dadurch verfliegt er nicht gleich und ich kann alle Teile reinigen ohne die ganze Flasche zu verbrauchen. Reinigen geht gut indem man den Pinsel mit Bremsenreiniger benässt und damit die Teile abbürstet. Verschmutzungen die härtnäckiger sind kann man anlösen indem man die Teile kurz in den Bremsenreiniger schmeißt. Achtung aber bei Kunststoff Teilen. Diese können bei zu langem Bad vom Reiniger angegriffen werden. Deshalb nur kurz eintauchen, mit Pinsel abbürsten und dann mit fusselfreiem Tuch oder Küchentuch abwischen. Wattestäbchen leisten gute Arbeit in schwer zugänglichen Stellen.

 

 

 

 

Weiter geht’s mit der linken Seitenplatte. Dort muss noch das Lager des Pinion Gear ausgebaut und gereinigt werden. Zum Ausbau muss die Sicherungsfeder vorsichtig mit einer Pinzette oder einem Schraubendreher rausgehebelt werden. Vorsicht ist geboten, da die Sicherungsfeder gern wegspringt und dann nur sehr schwer wieder zu finden ist! Nachdem das Lager ausgebaut ist, können die Teile ebenfalls gereinigt werden. Wenn das Lager gereinigt ist, kann es gleich wieder eingebaut werden und einen Tropfen Kugellageröl bekommen. 

 

 

 

 

Wenn ihr Probleme beim Einsetzen der Kugellager haben solltet (verkanten), dann hilft dabei der Pinselstiel. Mit diesem einfach beim Einsetzen in die Bohrung des Kugellagers und es lässt sich viel besser ausrichten.

 

 

 


 

Das Walzenlager der Hauptachse lässt sich nicht so einfach ausbauen, da es eingepresst ist. Dieses wird im eingebauten Zustand mit dem Pinsel und Bremsenreiniger gereinigt. Danach kräftig auspusten. Dabei kann Druckluft aus der Flasche oder eine Luftpumpe gute Dienste leisten. Nun noch einen Tropfen Öl auf das Lager.

 



Nun sollten alle Teile gereinigt sein und es kann ans schmieren gehen. Einfetten und der Zusammenbau passieren in umgekehrter Reihenfolge zur Demontage. Prinzipiell kann man sagen, das Kugellager einen Tropfen Öl bekommen und alle beweglichen Teile gefettet werden. 
Ich beginne mit dem Fetten der Teile am Hauptframe.


 

 

Da der Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge zum Ausbau gemacht wird, beginne ich mit dem Schmieren und Zusammenbau des Lineguide und des Worum Shaft´s. Zuerst die Schutzhülse mit der Arretierung von der rechten Seite her reinschieben und dann von der linken Seite her den gefetteten Worum Shaft einbauen. 
Vorher noch das Clutch Wheel (Rücklaufsperre) auf die Hauptachse schieben.

 



Jetzt auf der rechte Seite wieder die Unterlegscheibe auf die Achse, Sicherungsscheibe einbauen und eine Klecks Fett drauf. Danach den Pawl wieder in den Lineguide einbauen und mit der Kappe sichern.
Nun Pinion Gear, Yoke und Yoke Springs fetten und wieder einbauen.

 


 

Jetzt kann das Zahnrad der Sternbremse wieder eingebaut werden. Dabei ringsherum Fett auf den Zähnen verteilen.

 

 

 



Danach die Teile der Bremse wieder einbauen. Ich fette jede Scheibe komplett (beidseitig) mit dem Finger ein bevor ich sie einbaue. Für die Bremse benutze ich nicht Quantum Hot Sauce Grease sonder Cal´s Reel&Star Drag Grease. Dies hat sich dafür bewährt. 

 

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Beim Zusammenbau auf die richtige Reihenfolge und das die Nasen der Metallscheiben in den Führungen sind achten! Jetzt noch die Distanzhülse drauf geschoben und der Hauptframe ist für den Zusammenbau vorbereitet.

 



Jetzt kann die linken Seitenplatte wieder angebaut werden. Beim Zusammenbau darauf achten das die Teile gut zusammen passen. Sollte etwas klemmen oder schwer gehen alles noch mal auf richtigen Sitz überprüfen! Durch die beiden Federn liegt die Seitenplatte nicht gleich an. Am besten mit einer Hand vorsichtig zusammen drücken und mit der anderen die Schrauben einsetzen und anziehen. 
Wenn die Seitenplatte angebaut ist können das äußere Kugellager, die beiden Federscheiben und die Unterlegscheibe wieder montiert werden. Beim Einbau der Federscheiben darauf achten das sie so )( eingebaut werden. Sonst lässt sich die Sternbremse nicht einstellen.



 

 

Nun den Stern monieren. Dieser verkantet leicht beim aufsetzen. Den Stern erst rechts herum drehen bis es leicht klickt. Dann stehen die Gewinde richtig zueinander und der Stern kann links herum auf die Achse gedreht werden. 
Anschließend kann der Pinion Shaft und die Kappe für die Spulenbremse wieder montiert werden. Den Pinion Shaft auch leicht fetten. 
Bevor das Handle wieder angebaut wird, muss noch der goldene Abdeckring moniert werden. Auch hier etwas Fett auf die Gewinde geben.

 

 

Jetzt kann das Handle angebaut werden. Bei der Mutter daran denken, das sie links herum draufgedreht werden muss. Zum Schluss noch die Abdeckkappe auf die Zentralmutter und die linke Seite ist fertig montiert. 

Bevor ich mich aber der rechten Seite zuwende, kümmere ich mich noch um die Lager der Knob´s (Griffe). 
Dazu müssen erstmal die Abdeckkappen entfernt werden. Das geht am besten mit dem mitgelieferten Werkzeug. Nachdem die Abdeckkappe rechts herum rausgedreht wurde habe ich Blick auf die Schraube welche den Knob auf der Achse hält. Die Schraube entfernen (linksherum drehen) und den Knob mit samt dem oberen Lager abnehmen. Nun sieht man auch das 2. Lager. Beide Lager reinigen und mit einem Tropfen Öl wieder einbauen. 

 



 

 

 

 

 

 

Als letzten Akt müssen noch das Lager auf der Spule und im rechten Seitendeckel gereinigt und geschmiert werden. Die beiden Kugellager baue ich zum Reinigen am liebsten aus. Einen Bericht zum Kugellager wechsel gibt es hier bei den Startseitenberichten, deswegen gehe ich da nicht weiter drauf ein.
Sind die Kegellager ausgebaut, werden sie gereinigt, mit einem Tropfen Öl geschmiert und wieder eingebaut.

 

 

 

 

 


Zum Abschluss die Spule einsetzen und die rechte Seitenplatte wieder montieren. Nun ist die Rolle bereit für die nächste Saison.

Wie anfangs schon erwähnt, möchte ich noch näher auf das Problem mit den eingeklebten Schrauben eingehen. 
Der Vorbesitzer meiner Millionaire wollte die Bremsscheiben wechseln. Da die 3 Schrauben der linken Seitenplatte allerdings eingeklebt sind hat er sie, auch nach dem Erwärmen mit dem Lötkolben, nicht lösen können. Durch die Versuche die Schrauben zu lösen hatten die Schraubenköpfe stark gelitten und vom Kreuzschlitz war teilweise nichts mehr zu sehen.

 




Um solche Schrauben trotzdem lösen zu können bedarf es eines Hilfsmittels. Dieses nennt sich Schraubendoktor! Dabei handelt es sich um eine Paste die den Kraftschluss zwischen Schraube und Werkzeug wieder herstellt. Dazu etwas Paste auf den Schraubenkopf oder das Werkzeug geben, den passenden Schraubendreher mehrmals auf den Schraubenkopf, mit leichtem Druck, ansetzen. 
Wenn dies gemacht ist habe ich den Schraubendreher mit einem Gasbrenner erhitzt bis er fast anfängt zu glühen. Dann den Schraubendreher am Schraubenkopf ansetzen und warten bis sich die Wärme soweit in der Schraube verteilt hat, das der Schraubenkleber gelöst wird. Nun lässt sich die Schraube herausdrehen.
Achtung Schraubendoktor rekonstruiert den beschädigten Schraubenkopf nicht, sondern bildet nur kurzzeitig einen Kraftschluss zwischen Schraubendreher und Schraubenkopf. Das heißt, das die Schraube danach gegen eine neue ausgetauscht werden muss! 
Ich habe mir dazu neue VA Senkkopfschrauben in der Größe M2,5x 6 bestellt. Diesmal aber nicht wieder mit Kreuzschlitz sonder mit Torx. Diese sind nicht so anfällig für Beschädigungen beim schrauben. Die passenden Schraubendreher dafür bekommt man problemlos im Baumarkt.


Und nun viel Spaß und Erfolg beim Warten eurer Schätzchen!

 

 Author: Jens aka Slaine74   

 

 

 

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